Kathrin war Freiwillige bei uns in Ococia von 2014 bis 2015. Nach einem kurzen Besuch 2017 ist sie dieses Jahr nochmal für ein paar Wochen zu Besuch gekommen. Hier erzählt Kathrin uns, wie es für sie ist, nach 11 Jahren wieder hier zu sein.
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Akello und Martin sind auch nochmal |
Im Konvent in Ococia gibt es natürlich auch noch die Little Sisters of St. Francis- von den fünfen mit denen ich damals gelebt habe, leben allerdings nur noch zwei, die anderen waren vor 11 Jahren schon in Rente und mit Sr. Sam ist eine Woche vor meiner Ankunft die letzte der drei alten Schwestern verstorben. Damit verbleiben noch Sr. Kizito, die sich zwischenzeitlich ebenfalls weitergebildet hat und noch immer Schulleiterin der Secondary School ist. Diese ist mittlerweile aber nicht mehr in kirchlichen, sondern in staatlichen Händen. Das Health Center hingegen, das noch immer von Sr. Celestine geleitet wird, ist noch immer der Kirche unterstellt. Manche Mitarbeitenden sind noch immer dort und kennen mich sogar noch, andere sind längst woanders hin umgezogen – oder verstorben. Und das Gebäude ist nicht mehr dasselbe: In der Zwischenzeit wurde die Ruine des im Bürgerkrieg 2004 zerstörten Konvents von Alfred in einen wunderschönen Neubau verwandelt, und der Bau, der zu meiner Zeit als Zwischenlösung diente wird für andere Zwecke renoviert.
Der Konvent vor... |
| ...und nach der Renovierung. |
Für mich war es am Anfang auch sehr spannend, die Infrastruktur hier zu sehen. Es gibt jetzt teilweise bis in größere Dörfer hinein Strom (der nur manchmal ausfällt) und Wasserleitungen. Es fahren viel mehr Autos und Boda-Bodas durch die Gegend, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Es wurden einige neue Straßen gebaut. Die Fahrt nach Ococia ist nun mindestens eine Stunde kürzer, weil wir nicht mehr den Bogen über Mbale fahren müssen. Es gibt neue Gesetze, die dazu führen dass es weniger Straßenverkäufe gibt, und es wird mehr über die Einkommenssteuer gesprochen, die seit einigen Jahren gezahlt werden muss („Was machen die überhaupt mit meinem Geld? Ich sehe nichts davon“). Außerdem wurden die Regelungen zur Ausbildung verschärft- es ist wichtiger denn je, einen hohen Schul- und dann Universitätsabschluss zu bekommen, v.a. wenn man in staatlichen Institutionen arbeiten möchte. Mein Eindruck ist auch, dass es mehr Schulen und Universitäten gibt und ich habe mich schon mehr als einmal gefragt, wie viel Prozent des ugandischen BIP wohl auf den v.a. privaten Bildungssektor entfallen – denn wer nur irgendwie kann, versucht sein Kind auf eine Privatschule zu schicken, wo die Klassen kleiner und die Performances in den nationalen Abschlussprüfungen besser sind. Immer mehr Menschen haben oder bauen auch Ziegelhäuser mit Wellblechdach zu Hause im Dorf anstelle der traditionellen Rundhäuser mit Grasdach – auch das ein Zeichen für die ganz langsam wachsenden finanziellen Möglichkeiten der Menschen. Bevor man allerdings solch ein Haus besitzt, hat man erst einmal ein Smartphone in der Hand- das ist unter Jung wie Alt ein gern gesehener Gegenstand, verbessert er doch sowohl Kontakt- als auch Bildungsmöglichkeiten gegenüber dem noch immer weit verbreiteten Tastenhandy. Das Internet ist auch nicht schlechter als im abgelegenen Hunsrück, in den Städten locker besser, da ist 4G der Standard. Dieses Mal musste ich leider, weil ich unvorsichtig war, auch noch einmal näher mit dem Gesundheitssystem in Kontakt kommen- Blut abnehmen und Laboruntersuchung sind, wenn man neben einem Health Center wohnt, zum Glück kein Problem. Im Dorf, wo meine Malaria und das Typhoid Fever ausgebrochen sind, hingegen, lag ich plötzlich flach. Und ich war alles, aber nicht bereit, mich auf ein Boda-Boda zu setzen, um zum Arzt bzw. ins Krankenhaus zu fahren. Zum Glück war Truus so gnädig, mich mit dem Auto einzusammeln. Wer hier auf dem Dorf wohnt, muss teilweise immer noch ganz schöne Strapazen auf sich nehmen, um eine medizinische Behandlung zu erhalten. Auch das Antibiotikum, das mir für mein Typhoid Fever verschrieben wurde, hat Truus in der 1,5h entfernten Stadt Soroti besorgt. Fazit: Nicht das Wasser aus den Brunnen in den Dörfern trinken, auch wenn die Menschen dort es vertragen! Die haben ihre Infektion mit Typhoid wahrscheinlich längst hinter sich. Besser mit einer ausreichenden Menge Wasser unterwegs sein, wenn du in eine abgelegene Gegend reist. Und vor jedem Essen die Hände waschen.
| Die neue Markthalle von Soroti |
Apropos Essen: Die eine Sache, die sich hier nicht verändert hat, ist, wie großartig ich das Essen finde. Als Veganerin wird man wahrscheinlich nirgendwo leichter satt, und die Obstauswahl ist, gerade in der Mangosaison im Mai, unübertreffbar. Nahezu jeden Tag freue ich über Avocados, Süßkartoffeln, Kassava, Grünzeug, das es nur hier gibt, Erdnüsse und Erdnussmus, Papayas, Mangos, Orangen, Ananas...für mich ist das Erntedankfest dieses Jahr auf jeden Fall im Mai. Und ebenso unverändert schlafe ich nie so gut wie mit einem nächtlichen Regenguss, der auf die Wellblechdächer und Wiesen trommelt, von den Bäumen und Dachrinnen rauscht und für die schwülheiße Luft des Nachmittags herunterkühlt. Ob ich noch einmal wiederkommen werde? Ich weiß es noch nicht. Neugierig darauf, wie es hier wohl in 10 Jahren aussieht, bin ich schon. Und ganz sicher werde ich in Europa Einiges von hier vermissen, so wie ich es auch in den letzten Jahren vermisst habe. Und wo ansonsten auf der Welt soll ich mein Ateso auffrischen, wenn nicht im Soroti- und Amuria-Distrikt?
In diesem Sinne: Eyalama noi – danke an Truus, Alfred und all die anderen hier, dass ich noch einmal in Ococia zu Gast sein durfte!
Kathrin


